H_GWÖ

Neue Ideen braucht das Land

Wertvolle Wirtschaft für alle

Wir stecken mitten im Umbruch. Alte Strukturen bröckeln weg und die Notwendigkeit für eine ganz neue Vorgehensweise wird für mehr und mehr Menschen klar ersichtlich. So wie es jetzt ist, will es kaum jemand haben, aber auch zum „business as usual“ wollen viele nicht zurück. Der Wunsch nach einer grundlegend anderen, nachhaltigeren, gemeinwohl-orientierten Welt auch auf politischer Ebene gewinnt an Dynamik. Und damit auch ihre Umsetzung, für die bereits einige Weichen gestellt wurden.

So auch von der Gemeinwohl-Ökonomie, eine bürgerschaftliche Initiative, die 2010 in Österreich entstand und inzwischen weltweit aktiv ist. Mehr als 2000 Unternehmen unterstützen die GWÖ, wovon rund 500 Mitglied sind und bereits eine Gemeinwohl-Bilanz erstellt haben. MOIN ist mit dabei!

Aber was bedeutet das genau, Gemeinwohl-Ökonomie?


Bei der Gemeinwohl-Ökonomie handelt es sich um ein ethisches Wirtschaftsmodell mit folgender Vision: "Zweck des Wirtschaftens soll nicht die Gewinnmaximierung, sondern ein maximaler Beitrag zu einem guten Leben für alle sein."

Es geht also um ein alternatives Wirtschaftssystem, in dem der Erfolg eines Unternehmens nicht am Profit gemessen wird, sondern daran, inwieweit es zum Wohl von Mensch und Umwelt beiträgt.

MOIN ist genau aus so einer Idee heraus geboren. „Liebe deinen Nächsten wie dich selbst“ war und ist der Grundsatz, auf dem unsere tägliche Arbeit beruht. Wir machen gutes Essen für andere Menschen! Und dabei fühlen wir uns dem gesellschaftlichen Wohl verpflichtet.

Da lag es nah, sich nach den Kriterien der GWÖ beurteilen zu lassen. Wir halten dieses Modell für absolut zukunftsweisend und arbeiten deshalb aktiv an der Gestaltung einer sozialen, ökologischen und demokratischen Gesellschaft durch die Etablierung der neuen Bilanz mit. Mitbegründer der GWÖ Christian Felber spricht in einem aktuellen Interview des Magazins Schrot&Korn von einer „Kultur höherer Bewusstheit“. Eine Kultur, die auf Gemeinwohl, Gleichgewicht, Transparenz und der Freiheit verantwortungsvoller Menschen basiert. Weiter spricht Felber von „ökologischen Menschenrechten“, die sich auf den Verbrauch von Bioressourcen beziehen, der zur Deckung unserer Grundbedürfnisse nötig ist, aber dabei den Schutz unserer Erde nicht außer Acht lässt. Diese Menschenrechte würden somit gleichzeitig ein Schutzrecht für unsere Erde vor Ausbeutung und Überlastung bieten.

In der derzeitigen Situation erfährt das Konzept der Gemeinwohl-Ökonomie eine rasant wachsende Resonanz. Wohlmöglich haben wir es hier mit einem Paradebeispiel für „Glück im Unglück“ zu tun, da diese kritische Zeit den nötigen Impuls für die Entwicklung neuer Ideen, neuer Systeme der direkten Demokratie und neuer Formen des Wirtschaftens geben kann.

Brigitta Sui Dschen Mattke, Hans-Paul Mattke und Jule Prothmann bei der Testat-Verleihung auf der BIOFACH in Nürnberg

In diesem Sinne freuen wir uns sehr, euch mitteilen zu können, dass wir unsere erste Gemeinwohlbilanz erstellt haben. Und wir sind auch ein bisschen stolz gleich beim allerersten Mal 533 von 1000 Punkten erreicht zu haben.

Um diese Zahl besser einordnen zu können, hilft es zu wissen, dass beim ersten Audit im Durchschnitt zwischen 300 und 400 Punkte erreicht werden. 1000 Punkte sind die maximale Punktzahl bei dieser Bilanzrechnung, aber diese sind in unserem (noch) bestehenden Wirtschafts­system kaum zu erreichen, da die Ausrichtung hier schlichtweg eine ganz andere ist. Würden wir rein nach der jetzigen Gesetzgebung wirtschaften, wären es einfach mal 0 Punkte. Aber wie schon gesagt, die Weichen für eine wirklich wertvolle Wirtschaft sind gestellt und unsere 533 Punkte zeigen uns: Die Richtung stimmt!

Gleichzeitig hat uns das genaue Beleuchten unserer Unternehmung gezeigt, woran wir gezielt arbeiten möchten. Für die nächsten zwei Jahre haben wir uns allerhand vorgenommen. Kurzfristige Ziele sind die Verbesserung des Gesundheitsmanagements in der Produktion und die Installation einer Solaranlage. Zudem freuen wir uns auf die Eröffnung unseres Werkladens, ein Mitarbeiterprojekt, mit dem wir direkt bei uns vor Ort einen Beitrag zum Gemeinwesen leisten möchten. 

Auf längere Sicht soll ein umfassendes Gesundheits­management für alle Mitarbeiter aufgestellt und Änderungen des Arbeitsplans zu Gunsten der Work-Life-Balance der Mitarbeiter vorgenommen werden. Schließlich werden wir uns all die Bereiche vornehmen, in denen - wie unsere Prozentzahl deutlich gemacht hat - noch ganz klar Luft nach oben ist, z.B. in puncto innerbetriebliche Mitentscheidung und Transparenz. Und wo wir beim Thema Transparenz sind, hier seht ihr unser Zertifikat:

Mehr Infos zum Model und zur Zertifizierung der Gemeinwohl-Ökonomie findet ihr hier: https://www.ecogood.org/de/


Veröffentlicht 
am 16. Juni 2020 
von Natascha Solis

Schlagwörter

Brüderlichkeit | Zukunft | Erde | Nachhaltigkeit | Ressourcen | Verantwortung